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Thorsten Backhaus: Der Aufklärer
25. Juni 2011 | 00:10 Uhr | von Andreas Daebeler | Pinneberger Tageblatt
Mann der Zahlen: Thorsten Backhaus leitet die Projektgruppe, die den Stadtkassen-Skandal aufklären soll. Daebeler
PINNEBERG. Fiasko? Desaster? Thorsten Backhaus lehnt sich zurück. Denkt kurz nach. Und antwortet: "Kann ich noch nicht beurteilen. Aber das sind harte Worte." Nein, ein Lautsprecher ist der neue starke Mann im Fachdienst Finanzen wahrlich nicht. Muss er auch nicht sein. Backhaus soll nicht reden. Er soll rechnen und bilanzieren. Das Ausmaß der Pinneberger Finanzaffäre greifbar machen. Am Ende wird eine Bewertung stehen. Die, das macht er klar, wird unmissverständlich sein. "Ich will nichts verharmlosen." Fiasko? Desaster? Antwort frühestens in drei Monaten.
Wer ist dieser Mann, den Bürgermeisterin Kristin Alheit (SPD) sich ins Rathaus holte, um die Schlamperei bei der Stadtkasse aufzuarbeiten? Wir treffen Backhaus am Hafen, in seinem Büro beim Kommunalen Servicebetrieb. Dort, wo er als stellvertretender Leiter beschäftigt ist. Ein Job, in dem er seit einigen Wochen, seit er als Chef des Fachdiensts Finanzen aushilft, kürzer tritt. "Ich muss mich aufteilen", sagt der Wahl-Elmshorner. Anzusehen ist ihm der Stress nicht. Backhaus lacht: "Doppeljobs bin ich gewohnt."
Blick zurück: Geboren in Salzgitter, entscheidet sich Thorsten Backhaus nach der Schule gegen ein Anglistikstudium. Und für die Betriebswirtschaften. Er besucht die Unis in Frankfurt und Göttingen. Später arbeitet er für eine Berliner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. "Von den dort gesammelten Erfahrungen profitiere ich jetzt", sagt der 49-Jährige. Während viele Menschen schon genervt vor der eigenen Steuererklärung sitzen, ist Backhaus ein Überzeugungstäter: "Zahlen sind spannend, Prüfung ist ein tolles Geschäft." Seine Augen leuchten. Man muss ihm einfach glauben.
Seit 2008 arbeitet der Vater einer 15-jährigen Tochter in Pinneberg. Erst in der Kernverwaltung beschäftigt, wechselt Backhaus 2010 zum Kommunalen Servicebetrieb. Geht’s nach ihm , bleibt das jetzige Gastspiel im Rathaus ein Intermezzo. "Die Weiterentwicklung hier liegt mir sehr am Herzen", sagt er mit Blick auf den Betriebshof am Hafen.
Und wir sieht’s aktuell in Sachen Stadtkasse aus? "Es gibt ein Bedürfnis nach zügigen Ergebnissen, aber die können wir nicht liefern", antwortet Backhaus. Der Finanzfachmann, der mit einer Bänkerin verheiratet ist, steckt mitten in einer Sisyphosarbeit: "Wir müssen jeden Posten einzeln durchsehen, die Köpfe dahinter recherchieren", so Backhaus. "Schnellschüsse bringen gar nichts." Es gehe ihm darum, belastbare Zahlen vorzulegen. Beileibe kein leichter Job: Im sozialen Bereich sitze die Stadt auf Forderungen, die nicht einzutreiben seien: "Da gibt’s schwierige Fälle."
Eines verspricht Backhaus: "Am Ende wird eine Summe stehen." Schwarz auf Weiß wird jeder lesen können, wie viel Geld der Stadt durch Schlamperei verloren gegangen ist. Und dann sagt er einen Satz, der Minuten zuvor schon einmal fiel - und der womöglich tief blicken lässt: "Ich will nichts verharmlosen."
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Es wurden Fehler gemacht. Von einem Millionen-Schaden kann jedoch bislang keine Rede sein.
Thorsten Backhaus leitet den Krisenstab. Er soll vollständig aufklären. Eine Sisyphosarbeit. Gegenüber unserer Zeitung spricht der Finanzexperte von "einer unglücklichen Buchhaltung im Zuge der Umstellung auf doppische Haushaltsführung". Aber Backhaus relativiert auch: So stoße er beim Sichten der nicht eingetriebenen Forderungen zuweilen auf Centbeträge. "Zu vernachlässigen", sagt er. Zudem seien die 16000 ausstehenden Zahlungen nicht mit der Anzahl der Schuldner gleichzusetzen. Letztere beziffert Backhaus auf etwa 4000.
Auch zur entscheidenden Frage, ob Mahnfristen versäumt wurden und Pinneberg somit Geld verschenkt hat, gibt er eine - vorläufige - Antwort: "Bislang sind wir auf zwei Fälle gestoßen." Der entstandene Schaden belaufe sich auf etwa 2000 Euro. Alheit: "Dass systematisch nicht angemahnt wurde, ist nicht erkennbar." Backhaus nickt.
Also alles nicht so dramatisch? "Diese Aussage will ich noch nicht treffen", antwortet der kommissarische Leiter des Fachdiensts Finanzen. Er ist ein nüchterner Mann: "Man muss abwarten, für uns gibt’s jeden Tag neue Erkenntnisse." Kommunen seien in der Vergangenheit oft zu lax mit ausstehenden Rechnungen umgegangen. "Das gilt nicht nur für Pinneberg", sagt Backhaus. Mit Einführung der doppelten Buchführung (Doppik) und dem Erstellen einer Eröffnungsbilanz trete dieses Versäumnis dann zutage.
Für den Herbst kündigt Backhaus seinen Abschlussbericht an.
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Pinneberg.Wenn man das als Zahlungspflichtiger gewusst hätte: Die Stadtkasse der Kreisstadt Pinneberg (rund 42.000 Einwohner) hat zwar fleißig Gebührenbescheide und Rechnungen geschrieben, aber über Jahre nicht ordentlich geprüft, ob das Geld auch wirklich eingeht. Mittlerweile sollen sich rund 16.500 offene Forderungen angehäuft haben mit einem Gesamtvolumen von wohl über 6 Mio. Euro! Offenbar gab es nicht nur Probleme mit dem genutzten Buchführungsprogramm, sondern auch massive Organisationsdefizite in der Verwaltung. Und so kam es, dass zwar regelmäßig Listen mit den offenen Pos ten ausgedruckt wurden, niemand sich aber dafür zuständig fühlte, diese auch zu bearbeiten. Nachdem die Mängel ans Tageslicht kamen, stellt sich jetzt die Frage, in welchem Umfang die Forderungen überhaupt noch werthaltig sind. Denn viele der Schuldner sind unter der in der Stadt bekannten Adresse nicht mehr erreichbar oder inzwischen zahlungsunfähig. Besonders ärgerlich: Wirtschaftsprüfer hatten schon vor Jahren auf bestehende Buchhaltungsdefizite hingewiesen, ohne dass daraus Konsequenzen gezogen worden wären. Schon für das Geschäftsjahr 2007 wurden nicht zeitnah verarbeitete Buchungen, ein kompliziertes und unübersichtliches Buchführungsprogramm sowie die nicht rechtzeitige Anmahnung offener Posten kritisiert. Jetzt soll eine Arbeitsgruppe unter Einbeziehung des Landesrechnungshofs Licht ins Dunkel bringen. Bleibt zu hoffen, dass zumindest ein Teil der berechtigten Forderungen noch eingetrieben werden kann. Es stellt sich aber auch die Frage nach der Konsequenz für die Verantwortlichen, die jahrelang von den Missständen wussten, ohne wirksam zu reagieren.
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Für den Herbst kündigt Backhaus seinen Abschlussbericht an. Ergebnisse seiner Buchprüfung werden zeitnah an den Landesrechnungshof versandt. Dessen Experten nehmen die Bilanzen als unabhängige Instanz erneut unter die Lupe. "Wir wollen sorgfältig arbeiten", sagt Backhaus, der sich zuweilen in Fälle einarbeiten muss, die 30 Jahre zurückliegen. Sein Ziel ist es, noch in diesem Jahr eine bereinigte Eröffnungsbilanz vorzulegen.
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Finanz-Affäre: 70 000 Euro futsch
25. Januar 2012 | 00:10 Uhr | von Andreas Daebeler | Pinneberger Tageblatt
PINNEBERG. Anfang April 2011 sorgte Pinnebergs Finanz-Affäre erstmals für Schlagzeilen. Mitarbeiter der Stadtkasse sollen Rechnungen nicht rechtzeitig angemahnt haben. Immerhin: Den Bereich der Steuerrückstände hat der mit der Aufklärung betraute Thorsten Backhaus weitgehend abgearbeitet. Er liefert jetzt Zahlen: Mindestens 70 000 Euro seien abzuschreiben. "Ein vorläufiger Zwischenstand", so Backhaus, der einräumt, dass ein Endergebnis der Prüfung noch lange auf sich warten lassen wird.
"Wir bearbeiten Fälle, die bis in die 90er Jahre zurückreichen. Das ist eine riesige Datenmenge", so Backhaus weiter. Derzeit werde sogar darüber nachgedacht, externe Hilfe einzukaufen. "Wir gehen jede einzelne Forderung durch, das ist sehr mühsam." Backhaus, dem der Ruf eines akribischen Arbeiters vorauseilt, hofft, vor der politischen Sommerpause einen Schlussstrich ziehen zu können. Er sagt: "Eines ist klar: Wir werden nichts verharmlosen." Später prüft auch noch der Landesrechnungshof die Bücher.
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